Aktuelle Meldungen  -  Nachrichten suchen  -  kostenloses Abo  -   Nachricht weiterempfehlen

 

AHO Aktuell - 11.06.2001

Grundwasser und Flüsse durch Humanarzneimittel gefährdet


(aho) - Dr. Thomas Ternes vom ESWE-Institut für Wasserforschung und
Wassertechnologie in Wiesbaden weist in einer Veröffentlichung in der
Fachzeitschrift "Schriftenreihe Wasserforschung" darauf hin, dass als
Vorfluter genutzten Fließgewässer beträchtliche Konzentrationen an
Pharmaka (Arzneistoffe) aufweisen. Die Rückstände von Arzneistoffen
aus dem Humanbereich sind im kommunalem Abwasser und Kläranlagenab-
läufen in hohen Konzentrationen. Da die Humanpharmaka teilweise bis
zu 50 % unverändert ausgeschieden werden, ist mit einem verbreiteten
Auftreten der Arzneimittelwirkstoffe im kommunalen Abwasser zu rechnen.
Die Abwasserreinigung führt zwar in der Regel zu einer deutlichen
Reduzierung der Abwasserfrachten, eine vollständige Eliminierung war
jedoch nicht zu beobachten. Dies ist vor allem für kleinere Fließ-
gewässer mit einem hohem Abwasseranteil zu beobachten. Da die Einträge
an Pharmaka in die Gewässer maßgeblich über die Kläranlagen erfolgt,
stammen die Verbindungen vor allem aus der Humanmedizin und nicht aus
der Veterinärmedizin bzw. Landwirtschaft. Nachweisbar waren Anti-
rheumatika (Rheumamittel), Analgetika (Schmerzmittel), Betablocker,
Bronchospasmolytika, Lipidsenker, Antiepileptika, Antibiotika,
Kontrazeptiva (Hormone aus der Antibabypille) und Röntgenkontrastmittel.

Auch die Entsorgung von Medikamenten über den Hausmüll kann bei
Undichtigkeiten von Deponien zu einer Belastung des Grundwassers führen.
Nach geltender EU-Richtlinie (91/689/EWG vom 22.12.1994 über gefährliche
Abfälle 94/904/EWG) werden Alt-Arzneimittel nicht zu den gefährlichen
Abfällen gerechnet, sondern können auch von den Apotheken im Einklang
mit dem Recht der Europäischen Union als Hausmüll entsorgt werden.

Neben den eher diffusen Einträgen, die aus der Anwendung von Arzneimittel
herrühren, können Industrieabwässer der Arzneimittelproduzenten zu einem
punktuellen Eintrag der Pharmaka in die als Vorfluter genutzten
Fließgewässer führen.

Quelle:

Dr. Thomas Ternes: Abbau und Verhalten von Pharmaka in aquatischen Systemen
Schriftenreihe Wasserforschung 6 / Chemische Stressfaktoren in aquatischen
Systemen; 2000, S. 23 - 33
 



 

  zum Seitenbeginn


© Copyright

AHO Aktuell ist ein Service von ANIMAL-HEALTH-ONLINE und @grar.de